No Cookies

Auf Rosysgin.ch, unserer Homepage haben wir Tracking durch Cookies noch nie angewendet. Wie es scheint hat nun auch Google gemerkt wie unbeliebt lästige Werbung und Datensammeln ist, und das freut uns. Hier der aktuelle Stand der Dinge: 

Neue Spielregeln Warum Google Cookie-Tracking abschafft.

Es ist eine bemerkenswerte Ansage von einem Konzern, der den Löwenanteil seiner Einnahmen mit digitaler Werbung verdient: Google kündigt an, dem Tracking von Nutzer:innen im Netz einen Riegel vorschieben zu wollen. „Menschen sollten nicht akzeptieren müssen, im gesamten Web getrackt zu werden, um die Vorteile relevanter Werbung zu genießen“, heißt es in einem heute veröffentlichten Blogpost des Konzerns.

Bereits Anfang 2020 hatte Google angekündigt, binnen zwei Jahren in seinem Browser Chrome Cookies von Drittanbietern auf Webseiten blockieren zu wollen. Das sorgt für Zustimmung bei Datenschützer:innen, in der Werbebranche warnten einige hingegen vor der „Cookie-Apokalypse“. Bislang schwieg Google darüber, wie genau die Cookie-freie Zukunft aussehen soll – nun verrät der Konzern seine Marschrichtung.

Überall hinterlassen wir Daten-Krümel

Cookies sind kleine Code-Schnipsel, die beim Besuch von Webseiten automatisch heruntergeladen werden und Daten von Nutzer:innen zurück an Seitenbetreiber schicken. Sie sind fast überall im Netz zu finden, von den meisten deutschen Nachrichtenseiten bis hin zu Corona-Seiten der deutschen Bundesregierung.

Aus den Daten, die Cookies sammeln, bauen Konzerne wie Google und dubiose Datenbroker Profile von fast jeder Nutzerin, jedem Nutzer im Web. Personalisierte Werbung auf Basis dieser Daten – und damit das Tracking, aus dem die Daten stammen – sind das Kerngeschäft von Google.

Doch der Konzern dreht nun an den Stellschrauben. Google möchte ab April neue Versionen seines Browsers Chrome ausrollen, die ein völliges Ausschalten von Cookie-Tracking erlauben. Auch nach der Blockade von Tracking-Cookies werde der Konzern keine neuen Identifikationsmerkmale schaffen, um „Individuen beim Surfen im Netz zu tracken“, schreibt Google-Manager David Temkin in dem Blogpost. Erlaubt sind dann bei Chrome lediglich „First-party-Cookies“, die direkt vom Webseitenbetreibenden stammen.

Das hat Auswirkungen auf das ganze Internet, denn Chrome ist nach der mit Abstand meistgenutzte Webbrowser. Das liegt auch daran, dass er auf Handys mit dem von Google entwickelten Betriebssystem Android vorinstalliert ist.

Tracking durch Identifikationsmerkmale wie etwa E-Mail-Adressen, wie Google es bislang macht, werde es künftig wohl noch von anderen Firmen geben, schreibt Google-Manager Temkin. Doch dies sei weder mit den Erwartungen von Nutzer:innen nach Privatsphäre noch mit sich „rapide verändernden regulatorischen Beschränkungen“ vereinbar, heißt es in dem Google-Blogpost.

„Wir sollten nicht zu laut applaudieren“

Google reagiert mit dem Cookie-Verbot auf ähnliche Schritte der Konkurrenten Firefox und Safari, aber auch auf Druck von Datenschutzbehörden und der Politik. In Brüssel denken einige Abgeordnete inzwischen sogar über ein Verbot personalisierter Werbung nach, um die Datensammelei im Netz einzuschränken. Unabhängig davon prüfen EU-Wettbewerbsbehörden Googles Praktiken im Werbegeschäft.

Googles Schritt hin zu einem besseren Schutz des Privatlebens sei willkommen, sagt der niederländische Politiker Paul Tang, der im EU-Parlament eine Gruppe gegen Tracking mitbegründet hat. „Aber wir sollten nicht zu laut applaudieren.“

Tracking-Software von Google sei auf 85,6 Prozent aller Webseiten versteckt, der Konzern sichere sich damit den größten Anteil am digitalen Werbemarkt. Google sammle in seinen eigenen Diensten und Produkten weiter Daten von Nutzer:innen für Werbezwecke. Mit den neuen Datenschutzstandards stärke Google seine Dominanz am Browsermarkt, glaubt Tang.

Daten sammelt künftig der Browser

Tatsächlich möchte Google nicht grundsätzlich aufhören, Daten zu sammeln und an Nutzer:innen angepasste Werbung auszuspielen. Der Konzern ändert lediglich die Spielregeln, wie das passiert. Anstelle von individuellen Profilen sollen Gruppen von Menschen Werbung auf Basis ihrer Interessen angezeigt bekommen, sagt Google.

Der Konzern setzt auf einen Ansatz namens „Federated Learning of Cohorts“, kurz FLoC. Er möchte künftig große Gruppen von Menschen mit ähnlichen Interessen bilden, sogenannte Kohorten, auf die Werbung zugeschnitten werden soll. Die Merkmale der Kohorten sollen breit genug zugeschnitten sein, damit die Anonymität einzelner Nutzer:innen darin gewahrt bleibt.

Der Clou daran: Die Daten sammeln künftig nicht mehr Cookies, sondern der Browser. Jede URL einer Webseite, jeder aufgerufene Inhalt kann dann in einen Targeting-Algorithmus von Google einfließen. Der Algorithmus teilt dann Nutzer:innen in eine Kohorte von Menschen mit ähnlichen Interessen.

Die Zuteilung soll lokal auf dem Rechner der Betroffenen passieren, so dass keine Daten mehr im Internet landen. Google schickt dann eine Auswahl an Werbung an den Browser, dieser wählt dann zur Kohorte passende Anzeigen aus und zeigt diese der Nutzerin.

Wie groß die Kohorten sind, lässt Google offen. Allerdings legt ein Whitepaper von Google nahe, dass es eine Mindestgröße für die Gruppen gibt. Das soll sicherstellen, dass einzelne Nutzer:innen nicht identifiziert werden kann.

Der Datenschutz-Vorteil liege nach der Lesart von Google wohl darin, dass nicht mehr komplette Verhaltensmuster gesammelt werden, die dann von Marketingfirmen ausgewertet werden und dann erst zu Zielgruppen gebaut werden, sagt der Journalist und Datenschützer Matthias Eberl. Allerdings sei das System aus Datenschutzsicht dennoch nicht unbedenklich.

„Solange ich einer Gruppe zugeordnet werde, die bestimmte Interessen teilt, ist die Datenschutzgrundverordnung berührt und natürlich sind das auch sensible Daten, aus denen sich viel Persönliches ableiten lässt“, sagt Eberl. Für Google sei die Zugehörigkeit zu Kohorten nicht anonym. Allein deshalb seien europäische Datenschutzregeln anzuwenden. Ob die Daten in den Kohorten darüber hinaus für die teilnehmende Werbewirtschaft wirksam anonymisiert seien, müsse geprüft werden.

Tests für neues Werbesystem vor dem Sommer

Google möchte das neue Werbetargeting-System in den kommende Wochen ausprobieren, Werbekund:innen sollen es noch vor dem Sommer testweise nutzen können. Während also Cookies von Drittparteien langsam aus dem Netz verschwinden dürften, ersetzt Google sie fast nahtlos durch ein System, das der Konzern fast vollständig kontrolliert.

Für die Konkurrenz bedeutet Googles Schritt wohl Kopfschmerzen. Große Mitbewerber:innen wie Facebook und Adtech-Anbieter:innen dürften es schwerer haben, über Browser Daten für personalisierte Werbung zu sammeln.

„Wettbewerber werden sich auf ihre First-Party-Daten verlassen müssen, und in Bezug auf Online-Werbung auf das neue Ads-Framework, das in Webbrowsern eingesetzt wird, zum Beispiel den so genannten Privacy Sandbox-Stack im Chrome-Browser“, sagt Lukasz Olejnik, ein unabhängiger Privatsphäre-Forscher und Berater.

Durch den Schritt von Google werde die zunehmende Verknüpfung zwischen Datenschutz und Wettbewerbsrecht deutlich, sagt Olejnik. „Wenn einige Marktteilnehmer unverhältnismäßig große Dinge mit ihren Daten tun können, ist das dann fair gegenüber anderen Marktteilnehmern, und was sagen die Regulierungsbehörden dazu?“  Quelle: netzpolitik.org  Schönhauser Allee 6/7, 10119 Berlin

Mit freundlichen Grüssen, Hans Kunz am 6. Mai 2021